200km
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200 Kilometer in vier Tagen

 

 Der Artikel wurde uns freundlicherweise von der Südthüringer Zeitung bereitgestellt.

Geschrieben von Katja Schramm

 

    

Sie haben ihre Räder fest im Griff. Trotz des dauerhaften Regens und des kalten Windes, der ihnen um die Ohren bläst. Die Wassertropfen rinnen Heiko Fuchs und Ulrich Prost unaufhörlich übers Gesicht, während die beiden Freizeitsportler kräftig in die Pedale treten. Vier Tage sind sie unterwegs vom Inselsberg zur Wasserkuppe- fernab der Städte und Dörfer. Sie übernachten im Zelt und essen Expeditionsnahrung. Genau das ist das Ziel ihrer Abenteuerreise durch die eigene Heimat- im Januar.

                

 

Ihre nasse Kleidung sind sie in all den Tagen nicht losgeworden. Dazu ließ der dauerhafte Regen einfach keine Möglichkeit. Doch damit mussten die beiden Männer rechnen. Schließlich war es ihr Wille, im Januar auf Tour zu gehen und somit ein Experiment der nicht alltäglichen Art zu wagen.

 

Mit dem Fahrrad ist Ulrich Prost sehr oft unterwegs. Diese sportliche Leidenschaft brachte den Bad Salzunger mit dem Kaltennordheimer Heiko Fuchs zusammen. Beide sind in der Interessengemeinschaft "Rhöner Radler" aktiv. Doch sie verbindet nicht nur der Radsport. " Die Chemie zwischen uns stimmt einfach", sagt Ulrich Prost. Und, "wir haben keine Berührungsängste". Das sei wichtig, wenn man eine solche Rad- Trekking- Tour zusammen unternehmen will. Die Idee kam von Ulrich Prost, mit Rad und Zelt "vor der eigenen Haustür" unterwegs zu sein. Unabhängig von Gaststätten und Herbergen wollte er sich ein paar Tage "auf das ursprüngliche besinnen".

Als Heiko Fuchs davon erfuhr, war auch er sofort begeistert. Musste nur noch der Zeitpunkt festgelegt werden. Die beiden überlegten nicht lange, denn "das Wetter im Januar war ja so mild, dass wir eine solche Tour durchaus auch im Winter unternehmen konnten", sagte Ulrich Prost. Und, den Thüringer Wald mit der Rhön verbindend erleben, das war es, was die beiden Radsportler wollten.

202 Kilometer und 18,5 Stunden reine Fahrtzeit lagen vor ihnen, als sie an einem Sonntagmorgen in die Startlöcher gingen. Bei " Regenwetter", betont Heiko Fuchs, ihr ständiger Begleiter. Über den Kissel bei Schweina den Dreiherrenstein und Inselsberg radelten die Männer zur Ebertswiese am Rennsteig, die sie mit Einbruch der Dunkelheit erreichten. Das selbst gesteckte Ziel für Tag eins war erreicht, cirka 45 Kilometer überwunden. Bei zwei Grad Celsius und starkem Nebel bauten sie mit Hilfe ihrer Stirnlampen die Zelte in der Nähe des Sees auf. So nass wie der Boden war fühlte sich auch bald der Boden von Heiko Fuchs' Zelt an. Der war undicht und das Wasser lief ungehindert hinein. " Ein neues Zelt zu kaufen, kam gar nicht in Frage", sagte Heiko Fuchs. Vier Tage in freier Natur zu verbringen war der tiefere Sinn der Tour. Für den 45-jährigen Kaltennordheimer " eine Herausforderung mit allen Höhen und Tiefen. Die Natur so hinzunehmen wie sie ist und das Beste daraus machen."

" Alltäglichkeiten traten in den Hintergrund", erklärte Ulrich Prost. Wo die Trinkflasche füllen, wo Schuhe, Kleidung, Schlafsack und Zelt trocknen? Der Dauerregen ließ an keinem Abend gemütliche Lagerfeueratmosphäre zu. Auf dem Gaskocher brodelte die mit Vitaminen angereicherte Expeditionsnahrung. Neben dem morgendlichen Tee das einzig Warme, das die beiden Männer an den vier Tagen zu sich nahmen. Erschöpft krochen sie in ihre Zelte, um Kraft zu tanken, bevor sie am nächsten Tag die nächsten 50 Kilometer bezwangen.

Das Frühstück fiel im Gegensatz zum Abendessen fast bürgerlich aus- es gab mitgebrachte Brote mit Marmelade, dazu heißen Tee. "Nach der Katzenwäsche am See", erzählt Heiko Fuchs, musste er sei Zelt und die Kleidung nass einpacken. Das wiegt doppelt so viel wie vorher."

Rauf aufs Rad und rein in die Pedale- weiter ging es am Tag zwei über Oberhof, auf dem Rhön- Rennsteig-Weg nach Schwarza, am Fuße des Dolmars. " Orientiert haben wir uns an Hand einer Karte", sagte Ulrich Prost. Während die Wegbeschreibung auf dem Rennsteig sehr gut sei, bemängelte der  42jährige Bad Salzunger die Beschilderung auf dem Rhön-Rennsteig-Weg, " die ließ zu wünschen übrig".

Viel Zeit und Kraft mussten die Radsportler am Tag drei investieren. Ihr Ziel war die Gemeinde Stepfershausen, am Fuße der hohen Geba. Dazu führte der Weg über den Dolmar. " Dort erlebten wir unser größtes Abenteuer", erinnert sich Ulrich Prost. " Wahnsinn" und " Urwald" nennt es Heiko Fuchs. Kaputt gefahrene Wege und tiefer Schlamm zwangen die Männer, ihre Räder mit allem Gepäck durch den Wald zu tragen. " Drei Kilometer sind wir durchs tiefste Dickicht und über abgeschlagene Äste gelaufen." Und immer wieder: Schlamm, Wind und Gewicht. " Unsere Kräfte waren schnell verbraucht", sagt Ulrich Prost. Außerdem seien sie in großen Zeitverzug gekommen. " Natürlich wäre es leichter gewesen, auf asphaltierten Straßen zu fahren." Doch gerade die Wald- und Wanderwege wollten sie fahren und den Rhön- Rennsteigweg testen.

Die Schlafplatzsuche am Fuße der Hohen Geba bei Stepfershausen gestaltete sich für die Radler sehr schwierig. Einmal, weil es "stockdunkel war, als wir ankamen" und", wegen der Hanglage", erzählte Ulrich Prost. Schließlich wurden sie fündig. In einem eingezäunten Garten begannen sie ihre Zelte aufzubauen. " Wir waren echt verblüfft", sagte Heiko Fuchs, " als wenige Minuten später bereits der Besitzer des Grundstücks kam". Er traf zwei Männer an",  die gezeichnet von der Tour waren. An uns gab es kaum eine noch Stelle am Körper, die nicht von Schlamm bespritzt war." Der Besitzer stellte sich als freundlicher junger Mann heraus, der den beiden sogar einen Bungalow um Schlafen anbot. " Aber wir blieben hart." Genauso wie am letzten und vierten Tag. Der Tag, an dem die Männer bei Sonnenschein im Zelt erwachten. " Das motivierte für die noch bevorstehenden 50 Kilometer über die Hohe Geba, Kaltensundheim, Ellenbogen, Heidelstein zur Wasserkuppe. Um das Endziel der Rad- Trekking- Tour zu erreichen, mussten " wir noch mal ordentlich in die Pedale treten und mehr Kalorien nachschieben", berichtet Heiko Fuchs. Schuld waren der starke Wind, schlammiger Boden und etliche Höhenmeter.

             

Nach acht Stunden nähert sich Ulrich Prost und Heiko Fuchs dem Radom auf der Wasserkuppe. Das Ziel war erreicht, das Experiment gelungen. " Erschöpft, aber glücklich radelten sie über Wüstensachsen ins hessische Seiferts". Die Zivilisation hatte uns wieder", erzählte Ulrich Prost. Mit seinem Mitstreiter kehrten sie in einem warmen Gasthaus ein. " Dort ließen wir uns bekochen und bewirten und die Tour noch mal Revue passieren." Ulrich Prost erzählt von Wehmut, " dass das Abenteuer in freier Natur schon zu Ende war". Heiko Fuchs empfindet genauso und nennt es "beachtlich was wir hier durchgezogen haben".

 

Im Sommer wollen die Radler wieder auf Tour gehen. Mit einer größeren Gruppe wollen sie den " Hochrhöner" abfahren. Ulrich Prost ist sicher, " es muss nicht immer die Ferne sein, auch in unserer Heimat ist Natur erlebbar".